Bava Metzia 93

Kapitel 93

א ויש לו עליו אונאה
1 und jener hat Anspruch wegen Übervorteilung.
ב קנה אף על גב דלא משך דכיון דלא קפיד קנה דכי חליפין דמי ויש לו עליו אונאה דמכור לי באלו קאמר ליה רב אבא אמר רב הונא מכור לי באלו קנה ואין לו עליו אונאה
2 Er hat es geeignet, obgleich er es nicht an sich gezogen hat, denn da jener daraufnicht achtet, so gleicht dies einem Tauschgeschäfte; und jener hat Anspruch auf Übervorteilung, denn er sagte: verkaufe es mir dafür. R. Abba aber sagte im Namen R. Honas: [Sagte jemand:] verkaufe es mir dafür, so hat er es geeignet, und jener hat keinen Anspruch wegen Übervorteilung.
ג פשיטא דמים ואין מקפיד עליהן הא קאמרינן דקני דכחליפין דמו חליפין ומקפיד עליהן מאי
3 Klar ist es bei einem Kaufe, wenn [der Verkäufer] darauf nicht achtet; wir sagten, daß dies einem Tausche gleiche und er es geeignet habe; wie ist es aber bei einem Tausche, wenn er daraufachtet?
ד אמר רב אדא בר אהבה תא שמע הרי שהיה תופש פרתו ועומד ובא חבירו ואמר לו פרתך למה לחמור אני צריך יש לי חמור שאני נותן לך פרתך בכמה בכך וכך חמורך בכמה בכך וכך
4 R. Ada b. Ababa erwiderte: Komm und höre: Wenn jemand steht und seine Kuh hält, und sein Nächster herankommt und sagt: Wozu [hältst du] deine Kuh? – Ich brauche einen Esel. – Ich habe einen Esel, den ich dir geben will; welchen Wert hat deine Kuh? – Den oder den. Und welchen Wert hat dein Esel? –Den oder den.
ה משך בעל החמור את הפרה ולא הספיק בעל הפרה למשוך את החמור עד שמת החמור לא קנה בעל החמור את הפרה
5 Wenn dann der Eigentümer des Esels die Kuh an sich gezogen hat und bevor noch der Eigentümer der Kuh dazu kam, den Esel an sich zu ziehen, der Esel verendet, so hat der Eigentümer des Esels die Kuh nicht geeignet.
ו שמע מינה חליפין ומקפיד עליהן לא קנה
6 Hieraus ist also zu entnehmen, daß man bei einem Tauschgeschäfte, bei dem man daraufachtet, nicht eigne.
ז אמר רבא אטו חליפין בשופטני עסקינן דלא קפדי אלא כל חליפין מיקפד קפדי וקנה והכא במאי עסקינן דאמר ליה חמור בפרה וטלה ומשך את הפרה ועדיין לא משך את הטלה דלא הוה ליה משיכה מעליא
7 Raba erwiderte: Wird hier etwa von Dummköpfen gesprochen, die darauf nicht achten!? Vielmehr achtet man darauf bei jedem Tauschgeschäfte, und das Geschäft ist dennoch perfekt; hier aber handelt es sich um den Fall, wenn er zu ihm gesagt hat: den Esel für die Kuh und ein Schaf, und dieser nur die Kuh und nicht das Schaf an sich gezogen hat; dies ist kein hinreichendes Ansichziehen.
ח אמר מר מכור לי באלו קנה ויש לו עליו אונאה לימא סבר רב הונא מטבע נעשה חליפין
8 Der Meister sagte: Verkaufe mir dafür, so hat er es geeignet, und jener hat Anspruch wegen Übervorteilung. Demnach wäre R. Hona der Ansicht, eine Münze könne Tauschmittelsein!? –
ט לא רב הונא סבר לה כרבי יוחנן דאמר דבר תורה מעות קונות ומפני מה אמרו משיכה קונה גזירה שמא יאמר לו נשרפו חטיך בעלייה מלתא דשכיחא גזרו בה רבנן ומלתא דלא שכיחא לא גזרו בה רבנן אמר ליה מר הונא בריה דרב נחמן לרב אשי אתון הכי מתניתו לה אנן הכי מתנינן לה וכן אמר רב הונא אין מטבע נעשה חליפין
9 Nein, R. Hona ist der Ansicht R. Joḥanans, welcher sagt, nach der Tora werde [die Sache] durch die Zahlung geeignet, nur deshalb bestimmten sie, daß man sie nur durch das Ansichziehen eigne, damit [der Verkäufer] nicht sagen könne: dein Weizen ist auf dem Söller verbrannt. Bei einem gewöhnlichen Falle haben die Rabbanan diese Bestimmung getroffen, bei einem seltenen Falle haben die Rabbanan diese Bestimmung nicht getroffen. Mar Hona, Sohn des R. Naḥman, sprach zu R. Aši: So lehrt ihr dies, wir aber lehren es wie folgt: ebenso sagte auch R. Hona, eine Münze könne nicht Tauschmittel sein.
י במה קונין
10 Womit wird die Aneignungvollzogen? –
יא רב אמר בכליו של קונה דניחא ליה לקונה דלהוי מקנה קונה כי היכי דלגמר ולקני ליה ולוי אמר בכליו של מקנה כדבעינן למימר לקמן
11 Rabh sagt, mit einer Sache des Aneignenden, weil der Aneignende wünscht, daß der Zueignende es eigne, damit er ihm die Sache vollständig zueigne. Levi aber sagt, mit einer Sache des Zueignenden, wie wir weiter erklären werden.
יב אמר ליה רב הונא מדסקרתא לרבא וללוי דאמר בכליו של מקנה הא קא קני ארעא אגב גלימא אם כן הוו ליה נכסים שיש להן אחריות ונקנין עם נכסים שאין להן אחריות ואנן איפכא תנן נכסים שאין להן אחריות נקנין עם נכסים שיש להן אחריות
12 R. Hona aus Disqarta sprach zu Raba: Nach Levi, welcher sagt, mit einer Sache des Zueignenden, kann er ihm ja ein Grundstück mittelst eines Gewandes zueignen, demnach werden Güter, die Sicherheit gewähren, mit Gütern geeignet, die keine Sicherheitgewähren, und wir haben entgegengesetzt gelernt: Güter, die keine Sicherheit gewähren, werden mit Gütern geeignet, die Sicherheit gewähren!?
יג אמר ליה אי הוה לוי הכא הוה מפיק לאפך פולסי דנורא מי סברת גלימא מקנה ליה בההיא הנאה דקא מקבל מיניה גמר ואקני ליה
13 Dieser erwiderte ihm: Wäre Levi da, so würde er dir Feuerfunken aus deinem Gesichte steigenlassen; du glaubst wohl, er eigne es ihm mit dem Gewände zu; für die Gefälligkeit vielmehr, daß er ihm [das Gewand] abnimmt, eignet er es ihm zu.
יד כתנאי (רות ד, ז) וזאת לפנים בישראל על הגאולה ועל התמורה לקיים כל דבר שלף איש נעלו ונתן לרעהו גאולה זו מכירה וכן הוא אומר (ויקרא כז, כ) לא יגאל תמורה זו חליפין וכן הוא אומר (ויקרא כז, י) לא יחליפנו ולא ימיר אותו
14 [Hierüber streiten] folgende Tannaím:<i>Nun war es damals in Jisraél Brauch, daß bei einer Auslösung oder einem Wechsel, um eine Sache abzuschließen, einer seinen Schuh auszog und ihn dem anderen gab</i>. Unter ‘Auslösung’ ist ein Verkauf zu verstehen, denn so heißt es:<i>es soll nicht ausgelöst werden</i>: unter ‘Wechsel’ ist ein Tausch zu verstehen, denn so heißt es:<i>er soll es nicht wechseln oder umtauschen</i>.
טו לקיים כל דבר שלף איש נעלו ונתן לרעהו מי נתן למי בועז נתן לגואל רבי יהודה אומר גואל נתן לבועז
15 <i>Um eine Sache abzuschließen, einer seinen Schuh auszog und ihn dem anderen gab</i>. Wer gab wem? – Boa͑z gab ihn dem Auslösenden; R. Jehuda sagt, der Auslösende gab ihn Boa͑z.
טז תנא קונין בכלי אע"פ שאין בו שוה פרוטה אמר רב נחמן לא שנו אלא בכלי אבל בפירי לא רב ששת אמר אפילו בפירות מאי טעמא דרב נחמן אמר קרא נעלו נעל אין מידי אחרינא לא
16 Es wird gelehrt: Man eignet mittelst eines Gerätes, auch wenn es keine Peruṭa wert ist. R. Naḥman sagte: Dies lehrten sie nur von einem Geräte, mit Früchtenaber nicht. R. Šešeth aber sagte: Auch mit Früchten. – Was ist der Grund R. Naḥmans? – Die Schrift sagt <i>Schah</i>, nur mit einem Schuh, nicht aber mit einer anderen Sache. –
יז מאי טעמיה דרב ששת אמר קרא לקיים כל דבר לרב נחמן נמי הכתיב לקיים כל דבר ההוא לקיים כל דבר דנקנין במנעל ורב ששת נמי הכתיב נעלו אמר לך רב ששת מה נעלו דבר המסויים אף כל דבר המסויים לאפוקי חצי רמון וחצי אגוז דלא
17 Was ist der Grund R. Šešeths? – Die Schrift sagt: <i>um eine Sache abzuschließen</i>. – Und R. Naḥman, es heißt ja: <i>um eine Sache abzuschließen</i>!? – [Die Worte] <i>um eine Sache abzuschließen</i> besagen, daß der Abschluß durch einen Schuh erfolge. – Und R. Šešeth, es heißt ja <i>Schuh</i>!? – R. Šešeth kann dir erwidern: wie ein Schuh etwas Ganzes ist, ebenso auch jede andere ganze Sache, nicht aber mit einem halben Granatapfel und einer halben Nuß.
יח אמר רב ששת בריה דרב אידי כמאן כתבינן האידנא במנא דכשר למקניא ביה במנא לאפוקי מדרב ששת דאמר קונין בפירות דכשר לאפוקי מדשמואל דאמר קונין
18 R. Šešeth, Sohn des R. Idi, sagte: Nach wessen Ansicht schreiben wir jetzt: mit einem Geräte, das geeignet ist, mit ihm zu eignen? – ‘Mit einem Geräte’, dies schließt die Ansicht R. Šešeths aus, welcher sagt, man könne mittelst Früchte eignen. ‘Das geeignet ist’, dies schließt die Ansicht Šemuéls aus, welcher sagt, man könne auch mit Dattelkernen